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Das Deutsche Kaiserreich

Entstehung

In Folge des deutsch-französischen Krieges 1870/71 musste Frankreich das Gebiet Elsass-Lothringen an Deutschland abtreten.

Dies bedeutete gleichermaßen die Gründung des Deutschen Reiches, denn endlich traten die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund bei.

Somit wurde am 18. Januar 1871 der deutsche Nationalstaat im Schloss von Versailles gegründet.

Frankreich sinnte wegen des Gebietsverlustes lange nach Rache.

Bismarck

Otto von Bismarck prägte die ersten Jahrzehnte des neuen Kaiserreichs in hohem Maße. Besonders innen- und außenpolitisch war er ein aktiver Posten. Bis 1878 arbeitete er stark mit den Liberalen zusammen, in vielen Belangen wie beispielsweise die Vereinheitlichung von Maßen, Gewichten und der Währung lagen die Interessen von Bismarck und den Liberalen auf gleicher Ebene.

Aber es gab nicht immer Stimmigkeit zwischen beiden Seiten: der Reichskanzler wollte z. B. die Vereinheitlichung aller Städteordnungen partout nicht unterstützen. Unmittelbar nach Reichsgründung wurde das Deutsche Kaiserreich mit einem überragenden wirtschaftlichen Aufschwung beglückt. Gründe dafür könnten beispielshalber die Vereinfachung des inneren Handels oder die Vereinheitlichung des Maßsystems gewesen sein.

Des Weiteren herrschte durch den Kriegserfolg eine allgemeine Aufbruchstimmung, die Bauvorhaben und Investitionen stiegen enorm an. Dieser Zeitraum wird als „Gründerjahre“ bezeichnet.

Schnell schloss sich jedoch die Gründerkrise an. Diese tief gehende wirtschaftliche Depression wurde durch stark zurückgehende Nachfrage und Überkapazitäten ausgelöst. Bald waren sogar deutsche Produkte im Binnenmarkt viel zu teuer.

Die Regierung strebte eine umfassende Finanzreform an, doch die damals starke Liberalenpartei ließ eine solche Reform nicht zu. So brach die Zusammenarbeit mit den Liberalen auseinander.

1878 wurden zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I. verübt, dies nutzte Bismarck für seine antisozialdemokratische Politik. Die Sozialdemokraten galten zu damaliger Zeit als Reichsfeinde. Nach dem zweiten Attentat löste Bismarck den Reichstag auf und veranlasste Neuwahlen.

Diese Wahl lief sehr positiv für die Freikonservative Partei und die Deutschkonservative Partei.
Anschließend wurde das Sozialistengesetz („Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“) verabschiedet. Inzwischen fokussierte der Reichskanzler eine konservative Richtung.

Zeichnend für Bismarcks Führung war auch der Imperialismus.

Er selbst war eigentlich gegen den Erwerb von Kolonien, jedoch wurden die Stimmen der imperialistischen Bewegungen immer lauter. So kam es, dass das Deutsche Kaiserreich mehrere Kolonien in Afrika und im Stillen Ozean erwarb. Später verabschiedete sich Bismarck wieder von der Kolonialpolitik, was die Kräfte für diese Politik nur weiter schürte.

Langsam fing die konfrontative Politik unter Bismarck zu bröckeln an. Nach dem Tod Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. wurde Wilhelm II. Kaiser. Er hegte den Wunsch, mehr politische Aktivität auszuüben als seine Vorgänger. So wurde Bismarck in seiner Herrschaft stark eingeschränkt.

Aus dem Volk wurden Stimmen gegen den Reichskanzler laut, man bezeichnete seine Regierung inzwischen schon als Kanzlerdiktatur. Im März 1890 wurde er durch den Kaiser zum Rücktritt gezwungen.

Leo von Caprivi

Leo von Caprivi wurde neuer Reichskanzler. Er strebte eine ausgleichende Politik an. Mit seinem Regierungsantritt folgten gravierende Neuerungen im Deutschen Reich: unter anderem sorgte er für den Ausbau des Arbeitsschutzes und führte das Arbeitsverbot an Sonntagen ein.

Caprivis Bemühungen um viele Veränderungen feierten zwar Erfolge, jedoch waren sie nicht erfolgreich genug, um einen extremen Systemwechsel herbeiführen zu können. Kaiser Wilhelm II. gefiel dies nicht und er entließ Leo von Caprivi im Oktober 1894. Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst Neuer Reichskanzler wurde Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Jedoch war bei Amtsantritt klar, dass er diesen Posten nicht lange ausüben würde.

Schließlich war er schon 75 Jahre alt und es gab immer wieder Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Kaiser.

1897 änderte Wilhelm seine Regierung ganz und gar ab: Hohenlohe behielt zunächst seinen Posten, aber es kamen relevantere Personen hinzu.

Unter ihnen war Bernhard von Bülow, der neuer Außenstaatssekretär wurde. Wilhelm wollte, dass die Regierung wieder in eine konservative Richtung lief.
Bernhard von Bülow

1900 wurde von Bülow Reichskanzler und somit schwächten die Konflikte zwischen Regierung und Kaiser ab. Die damalige Herrschaft stand ganz im Sinne einer Politik der staatserhaltenden und produktiven Kräfte gegen die Sozialdemokratie.

Des Weiteren sollte der Flottenbau erweitert werden. Die Flotten des Deutschen Kaiserreichs waren eigentlich zum Schutz des Handels und der Küsten gedacht. Die Kolonialpolitik von Bismarck wurde wieder aufgegriffen und es kam zum Tausch der Kolonie Sansibar mit der Insel Helgoland.

Der Kolonialerwerb sollte jedoch nur einen Ausbau der Flottenstützpunkte bezwecken. Diese Weltpolitik sollte das deutsche Kaiserreich als Großmacht etablieren.

Allmählich entfernten sich die einst gemeinsamen Ziele des Kaisers und des Reichskanzlers voneinander. Der Kaiser beachtete beispielsweise nicht von Bülows Forderung, den Flottenbau zu verlangsamen. Weitere innenpolitische Ungereimtheiten führten dazu, dass Bernhard von Bülow im Juli 1909 seinen Rücktritt bekannt gab.

Theobald von Bethmann-Hollweg

Die Gesamtheit der Parteien und der Reichstag gewannen an Einfluss, im Gegensatz zum Kaiser und zum Reichskanzler. Bethmann-Hollweg versuchte, die Position des Reichstags zurückzudrängen.

Doch das Regieren des Kaiserreichs gestaltete sich als äußerst kompliziert, weil jede Partei ihren eigenen Zweck verfolgte und es kaum noch Zusammenarbeiten gab.

Nach der Reichstagswahl 1912 erfuhren die Sozialdemokraten das erste Mal eine eindeutige Mehrheit.

Das Deutsche Kaiserreich unmittelbar vor dem 1. Weltkrieg

Doch nicht nur innenpolitisch gab es Auseinandersetzungen.

Die Spannungen im internationalen Bereich spitzten sich zu. Viele Faktoren ließen die Ungereimtheiten größer und stärker werden: Bosnienkrise, Marokkokrise, Balkankriege.

Diese und andere Einflüsse brauten sich letztendlich zu einer riesigen Konfrontation zusammen: dem 1. Weltkrieg.

Auslöser war zuletzt der Mord am österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo am 28. Juni 1914.
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